Provinz-Prosa: Geschichten aus der Lokalredaktion

Frisch zum Sonntagsfrühstück auf den Tisch: Der erste Teil unserer neuen Serie „Provinz-Prosa“. Hier soll es um Bücher gehen, die aus der Provinz oder über sie erzählen. Zuerst machen wir einen Ausflug in die Redaktion einer Lokalzeitung – mit Ralf Heimanns Satireroman „Die tote Kuh kommt morgen rein“.

"Die tote Kuh kommt morgen rein" - ein Satireroman von Ralf Heimann

„Die tote Kuh kommt morgen rein“ – ein Satireroman von Ralf Heimann

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„Dialekt wird niemals aussterben.“

Anthony Rowley, 61, ist in der britischen Kleinstadt Skipton geboren und aufgewachsen. Durch sein Germanistikstudium kam er nach Regensburg, wo er begann, sich für die bayerischen Dialekte zu interessieren. Heute ist Rowley ein bekannter Dialekt- und Mundartforscher und leitet die Redaktion des Bayerischen Wörterbuchs. Er lebt in Augsburg und arbeitet in München. Anthony Rowley über Zugehörigkeit, die Zukunft des Dialekts und darüber, was Schottland und Bayern verbindet.

„Wir schauen mal, was der so macht.“

Michael Bergrab ist 22 Jahre alt, Student der Staatswissenschaften und Deutschlands jüngster Bürgermeister. Aufgewachsen ist er im oberbayerischen Miesbach, doch seit Mai sitzt er im Rathaus der Gemeinde Lisberg im Steigerwald. Zu seiner Gemeinde zählen die Örtchen Lisberg (998 Einwohner) und Trabelsdorf (800 Einwohner). Über den Spagat zwischen Autorität und Party, Studium und Ehrenamt.

Michael Bergrab in Lisberg

Michael Bergrab in Lisberg

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„Ich bin kein Lokalpatriot.“

Florian Zinnecker, 30, ist Journalist in der Festspielstadt Bayreuth. Er ging in Bayreuth zur Schule und veröffentlichte im „Nordbayerischen Kurier“ seine ersten Artikel; später besuchte er die renommierte Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und schrieb unter anderem für die FAS, das SZ-Magazin und die taz. Vor drei Jahren kehrte er nach Bayreuth zurück: als Kulturressortleiter des „Nordbayerischen Kuriers“. Florian Zinnecker über seinen Job und Bayreuth, die Weltstadt auf Zeit. 

Florian Zinnecker vor dem Bayreuther Opernhaus

Florian Zinnecker vor dem Bayreuther Opernhaus

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„Die Provinz braucht Querdenker.“

Dietmar-Maria „Dimitri“ Hegemann ist in Ostwestfalen aufgewachsen. 1978 kam er nach Berlin, wo er verschiedenen Tätigkeiten in der Kunst- und Kulturszene nachging. Unter anderem organisierte er die Berlin Atonal Festivals, gründete das DaDa Lokal FischBüro und das Plattenlabel Interfisch Records und inszenierte Clubs und Restaurants, darunter den legendären Technoclub „Tresor“. 2012 rief Hegemann die „Happy Locals“ ins Leben, eine Agentur, die der Abwanderung der Jugend aus der Provinz entgegenwirken will.

Dimitri Hegemann (Foto: Marie Staggat)

Dimitri Hegemann (Foto © Marie Staggat)

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„In Berlin wäre es viel schwieriger.“

Lena Försch ist 24 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Würzburg und studiert Rhetorik in Stuttgart. Vor allem aber spielt sie seit fast zehn Jahren Improvisationstheater („Impro“). Beim jährlichen Würzburger Improtheater-Festival kümmert sie sich neben der künstlerischen Ausrichtung auch um die Workshops, in denen sich Einsteiger und Fortgeschrittene bei Impro-Profis weiterbilden können. Die fränkische Provinz, findet sie, ist für so ein Festival der ideale Ort.

Lena Försch

Lena Försch, Improtheater-Spielerin aus Würzburg

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„Provinz bedeutet für mich Freiheit.“

Martina Bergmann ist 35 Jahre alt, Buchhändlerin und kommt aus Nordrhein-Westfalen. Studiert hat sie in Berlin, gearbeitet in Hamburg und München. Im ostwestfälischen Borgholzhausen hat sie in diesem Jahr ihren eigenen Verlag gegründet. Dort sollen vor allem Bücher erscheinen, die einen Bezug zur Region haben. Martina Bergmann über Gelassenheit, trockenen Humor und ihr „Kannstduhingehen“.

Martina Bergmann auf der Frankfurter Buchmesse. "Pium" - so nennen die Borgholzhausener ihre Heimatstadt.

Martina Bergmann auf der Frankfurter Buchmesse. „Pium“ – so nennen die Borgholzhausener ihre Heimatstadt.

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„Ich brauche kein blasiertes Publikum.“

Silvan Wagner ist 38 Jahre alt und Dozent für Germanistik an der Universität Bayreuth. In seiner Freizeit steht er aber auch mal als junger Troll Grendel auf der Bühne des Lichtenfelser Stadtschlosses. Nach seinem Studium in Wuppertal ist er in die oberfränkische Provinz zurückgekehrt – und will nie mehr weg. Silvan Wagner über „Provinz“ als Schimpfwort, einen kulturellen Abgrund und die Dankbarkeit des Publikums.

Silvan Wagner in seinem Garten in Ebneth

Silvan Wagner in seinem Garten in Ebneth

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