Provinz-Prosa: Eine Fußballjugend

Mit einer neuen Folge „Provinz-Prosa“ melden wir uns zurück aus der Winterpause. Nachdem wir das letzte Mal in die Arbeit einer Lokalredaktion eingetaucht sind, geht es heute um Fußball, Bier, Borussia Dortmund – und eine Jugend in der westdeutschen Provinz, genauer gesagt im fiktiven Örtchen Diepenbusch. Dort spielt Tim Sohrs Debütroman „Woanders is‘ auch scheiße“.

"Woanders is' auch scheiße": Eine Hommage an den Fußball und die Provinz

„Woanders is‘ auch scheiße“: Eine Hommage an den Fußball und die Provinz

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„Ich hab jede Woche Dresche bekommen in der Dorfdisko.“

„Hamma wieder was gelernt, recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, auf Wiedersehen!“ Diesen Satz kennt jeder Mensch, der in den Nullerjahren jung war und wenigstens ab und zu bei MTV reingeschaut hat. Und sofort hat man seinen Urheber vor Augen, Markus Kavka, wie er in diesem seltsam digitalen MTV-News-Studio steht und mit den Händen in den Hosentaschen und leicht bayerischem Einschlag von Bands und neuen Alben erzählt, als säße er mit dem Zuschauer auf dem Sofa. Mittlerweile ist Kavka 47 Jahre alt und verbringt ab und zu ein paar Tage an der Uni Paderborn. Dort hat er seit kurzem die „Pop-Dozentur“ im Studiengang „Populäre Musik und Medien“ inne und bringt unter dem Motto „I want my MTV“ seinen Studenten bei, wie man eine eigene Musikfernsehsendung auf die Beine stellt.

Markus Kavka in Paderborn

Markus Kavka in Paderborn

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Provinz-Prosa: Geschichten aus der Lokalredaktion

Frisch zum Sonntagsfrühstück auf den Tisch: Der erste Teil unserer neuen Serie „Provinz-Prosa“. Hier soll es um Bücher gehen, die aus der Provinz oder über sie erzählen. Zuerst machen wir einen Ausflug in die Redaktion einer Lokalzeitung – mit Ralf Heimanns Satireroman „Die tote Kuh kommt morgen rein“.

"Die tote Kuh kommt morgen rein" - ein Satireroman von Ralf Heimann

„Die tote Kuh kommt morgen rein“ – ein Satireroman von Ralf Heimann

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„Dialekt wird niemals aussterben.“

Anthony Rowley, 61, ist in der britischen Kleinstadt Skipton geboren und aufgewachsen. Durch sein Germanistikstudium kam er nach Regensburg, wo er begann, sich für die bayerischen Dialekte zu interessieren. Heute ist Rowley ein bekannter Dialekt- und Mundartforscher und leitet die Redaktion des Bayerischen Wörterbuchs. Er lebt in Augsburg und arbeitet in München. Anthony Rowley über Zugehörigkeit, die Zukunft des Dialekts und darüber, was Schottland und Bayern verbindet.

„Wir schauen mal, was der so macht.“

Michael Bergrab ist 22 Jahre alt, Student der Staatswissenschaften und Deutschlands jüngster Bürgermeister. Aufgewachsen ist er im oberbayerischen Miesbach, doch seit Mai sitzt er im Rathaus der Gemeinde Lisberg im Steigerwald. Zu seiner Gemeinde zählen die Örtchen Lisberg (998 Einwohner) und Trabelsdorf (800 Einwohner). Über den Spagat zwischen Autorität und Party, Studium und Ehrenamt.

Michael Bergrab in Lisberg

Michael Bergrab in Lisberg

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„Die Provinz braucht Querdenker.“

Dietmar-Maria „Dimitri“ Hegemann ist in Ostwestfalen aufgewachsen. 1978 kam er nach Berlin, wo er verschiedenen Tätigkeiten in der Kunst- und Kulturszene nachging. Unter anderem organisierte er die Berlin Atonal Festivals, gründete das DaDa Lokal FischBüro und das Plattenlabel Interfisch Records und inszenierte Clubs und Restaurants, darunter den legendären Technoclub „Tresor“. 2012 rief Hegemann die „Happy Locals“ ins Leben, eine Agentur, die der Abwanderung der Jugend aus der Provinz entgegenwirken will.

Dimitri Hegemann (Foto: Marie Staggat)

Dimitri Hegemann (Foto © Marie Staggat)

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„In Berlin wäre es viel schwieriger.“

Lena Försch ist 24 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Würzburg und studiert Rhetorik in Stuttgart. Vor allem aber spielt sie seit fast zehn Jahren Improvisationstheater („Impro“). Beim jährlichen Würzburger Improtheater-Festival kümmert sie sich neben der künstlerischen Ausrichtung auch um die Workshops, in denen sich Einsteiger und Fortgeschrittene bei Impro-Profis weiterbilden können. Die fränkische Provinz, findet sie, ist für so ein Festival der ideale Ort.

Lena Försch

Lena Försch, Improtheater-Spielerin aus Würzburg

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„Provinz bedeutet für mich Freiheit.“

Martina Bergmann ist 35 Jahre alt, Buchhändlerin und kommt aus Nordrhein-Westfalen. Studiert hat sie in Berlin, gearbeitet in Hamburg und München. Im ostwestfälischen Borgholzhausen hat sie in diesem Jahr ihren eigenen Verlag gegründet. Dort sollen vor allem Bücher erscheinen, die einen Bezug zur Region haben. Martina Bergmann über Gelassenheit, trockenen Humor und ihr „Kannstduhingehen“.

Martina Bergmann auf der Frankfurter Buchmesse. "Pium" - so nennen die Borgholzhausener ihre Heimatstadt.

Martina Bergmann auf der Frankfurter Buchmesse. „Pium“ – so nennen die Borgholzhausener ihre Heimatstadt.

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