Was ist das?

Berlin, München, Hamburg, Köln – die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gehört in Deutschland den großen Städten. Junge Menschen ziehen aus Unterfranken nach München, aus Schwaben nach Berlin, um zu studieren, Neues zu entdecken, sich selbst zu verwirklichen. Was übrig bleibt, ist die Provinz. Dazu gehören nicht nur verwaiste Dörfchen in Brandenburg oder malerische Gemeinden in Oberbayern. Auch Universitätsstädte wie Bayreuth, Jena oder Hildesheim werden oft in einem Atemzug mit dem Wort „Provinz“ genannt. Dabei ist dieser Begriff in den seltensten Fällen (und die Bezeichnung „provinziell“ so gut wie nie) neutral oder positiv gemeint, sondern oft abwertend. Stets schwingt eine gewisse Überheblichkeit mit wie eine wegwerfende Handbewegung. Provinziell, das bedeutet rückständig, langweilig, abgehängt. Provinz, da guckt keiner über den Tellerrand, da kommt man her, dahin will man aber nicht zurück. Wir haben uns gefragt: Stimmt das? Oder beschränkt sich nicht der Tellerrand der Münchner, Berliner, Hamburger auch gerade mal auf den eigenen Speckgürtel?

In unserem Blog möchten wir uns mit der Provinz beschäftigen. Wir wollen Menschen porträtieren, die einen wie auch immer gearteten Bezug zur Provinz haben. Dabei möchten wir den Menschen selbst eine Stimme geben – mit Wortprotokollen und indem wir sie bisweilen persönlich die Texte vorlesen lassen. Denn ihre Wortwahl, ihre Betonung und ihre Stimme können eine Person oft treffender beschreiben als der ausführlichste Text.

„Provinz“ – ein Begriff, der provoziert, der nur schwer in eine Definition zu fassen ist. In diesem Blog wollen wir nicht werten. Wir wollen nur versuchen, viele kleine Bilder zu zeichnen, von den Menschen und dem Leben abseits der großen Metropolen. Deshalb haben wir keine endgültige Definition für das, was wir unter „Provinz“ verstehen, sondern wir richten uns nach dem Bild, das sich die Menschen machen. Denn: kommt eine Berlinerin nach Würzburg, dann ist es für sie die „tiefste Provinz“. Kommt aber ein Student aus Marktredwitz in dieselbe Stadt, kann das für ihn den Sprung ins Großstadtleben bedeuten.

Über Kritik, Tipps und Anregungen freuen wir uns: halloprovinz@web.de

Advertisements

Ein Gedanke zu „Was ist das?

  1. Ich habe mir grade alle Interviews hier auf der Seite durchgelesen! Ein Hoch interressantes Thema ist das, mit diesem Provinz Gehabe, wie ich finde. Letzt endlich jedoch würde ich sagen kommt es aber immer auf die persönlichen Bedürfnisse eines jeden einzelnen an, wo für Ihn Provinz ist, und wo nicht. Für einen Snowboarder zum Beispiel, ist wohl das gesamte Flachland Provinz, egal ob Hamburg, Berlin oder Moskau. Für einen Schauspieler das gesamte Land außerhalb der Städte, allein schon der angebotsmöglichkeiten an Arbeit wegen. Für einen Landwirt sämtliche Gebiete mit unfruchtbaren oder nur sehr schwer zu bewirtschaftenden Böden. Für den Seemann das Land. Usw.
    Eine Provinz muss also flach, unfruchtbar, menschenleer und trocken sein. Da Fallen mir nur zwei Orte auf der Erde ein,: die Salzseen in den USA und die Antarktis. Und diese beiden Orte wiederum sind schon wieder so spektakulär das sie auch wiederum nicht in die Kategorie Provinz passen. Es bleibt also nur noch der Mond bzw. Mars.
    Oh ja, Ihr zukünftigen Marsbewohner, ihr werdet wohl die einzig waren und richtigen echten Provinzbewohner der Menschheit werden, nur per Funk mit dem Rest von uns verbunden und die Shuttles fliegen wohl wahrscheinlich auch nicht gerade stündlich zur Erde. :-)
    alles nicht ganz ernst gemeint, und ein Hoch auf die Provinzen, ohne sie gäbe es die Schmelztiegel nicht. :-)

    Grüße Janosch

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s