„In Berlin wäre es viel schwieriger.“

Lena Försch ist 24 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Würzburg und studiert Rhetorik in Stuttgart. Vor allem aber spielt sie seit fast zehn Jahren Improvisationstheater („Impro“). Beim jährlichen Würzburger Improtheater-Festival kümmert sie sich neben der künstlerischen Ausrichtung auch um die Workshops, in denen sich Einsteiger und Fortgeschrittene bei Impro-Profis weiterbilden können. Die fränkische Provinz, findet sie, ist für so ein Festival der ideale Ort.

Lena Försch

Lena Försch, Improtheater-Spielerin aus Würzburg

Ich finde Würzburg eigentlich überhaupt nicht provinziell. Es ist klein, ja, aber es gibt viele Studenten und allgemein sehr viel Leben in dieser Stadt. Es gab mal diesen Slogan: „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“, den fand ich doof. Würzburg ist keine Weltstadt, aber genauso wenig kann man es auf die „Provinz“ reduzieren. Ich komme zum Beispiel aus Neubrunn, einem 2000- Einwohner-Dorf 30 Kilometer von Würzburg entfernt, und als Kind war die Stadt für mich total furchteinflößend. Ich war in Würzburg auf dem Gymnasium und in der fünften Klasse hab ich mal meine Mama angerufen, um sie zu fragen, ob ich nach der Schule noch in die Innenstadt fahren darf, oder ob das zu gefährlich ist. Und ich hatte oft Angst, mich zu verlaufen. Dabei ist das im Stadtkern Würzburgs fast unmöglich. Jetzt, nachdem ich in mehreren Großstädten gelebt habe, kommt mir Würzburg natürlich schon viel kleiner vor.

Ich verbinde mit Würzburg vor allem meine Wurzeln im Improtheater. Ich war damals am Gymnasium in der Schultheatergruppe, und wir haben einen Impro-Workshop gemacht. Das hat mich dann gleich total gekickt und ab da habe ich jede Woche im Jugendkulturhaus Cairo in Würzburg Improtheater gespielt. In Zusammenarbeit mit dem Cairo findet auch jedes Jahr das Würzburger Improtheater-Festival statt, und so bin ich auch ins Organisations-Team gekommen.

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Improtheater ist für mich vor allem ein Werkzeug. Man kann damit Geschichten erzählen und zum Beispiel über die Interaktion mit dem Publikum wirklich coole Dinge entstehen lassen. Und ich mag die Philosophie, die dahinter steht. Das klingt jetzt vielleicht pathetisch, aber mit Impro lernt man auch Dinge fürs Leben. Zum Beispiel, sich auf den Moment zu konzentrieren oder ganz bei seinem Partner zu sein. Solange man auf der Bühne steht und mit dem Partner etwas entstehen lässt, ist eigentlich alles drumherum egal. Wenn Fehler passieren oder etwas nicht nach Plan funktioniert, dann müssen wir damit leben. Und je mehr wir das akzeptieren, desto besser können wir auch damit umgehen.

Beim Festival dieses Jahr bin ich wirklich stolz auf das Workshop-Programm. Ich habe mir vorher vorgenommen, dass ich keine Kompromisse eingehe, sondern so lange an jeder Veranstaltung herumbastle, bis ich komplett zufrieden damit bin. Und wir haben wirklich coole Leute bekommen dieses Jahr: Glenn Hall aus Australien zum Beispiel, oder Lisa Rowland, eine kalifornische Impro-Spielerin, die wir letztes Jahr in San Francisco entdeckt haben. Auch das Programm selbst gefällt mir sehr gut, weil wir uns große Mühe gegeben haben, unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen.

Das Würzburger Improtheater-Festival mit seinem starken Fokus auf dem Workshop- und Weiterbildungs-Programm ist eines der größten Festivals seiner Art in Europa. Und Würzburg bietet dafür ideale Voraussetzungen. Es gibt viele verschiedene Bühnen, auf denen unsere Shows stattfinden können und im Jugendkulturhaus Cairo haben wir Räume, Möglichkeiten und viele tolle Menschen, mit denen wir arbeiten können. Ich glaube, in einer größeren Stadt wie zum Beispiel Berlin wäre es viel schwieriger, so etwas umzusetzen. Das Impro-Festival ist für Würzburg wirklich etwas Besonderes. In Berlin wäre die Konkurrenz viel größer und die finanzielle Situation wahrscheinlich um einiges komplizierter. Ich glaube auch, dass sich das Festival unter den Würzburgern selbst fest etabliert hat. Wir haben immer so um die 1500 Besucher, und die meisten davon sind sicherlich aus der Region. Die Teilnehmer an den Workshops kommen aber aus der ganzen Welt.

Mein Studium dauert jetzt noch ein Jahr, was ich danach machen werde, weiß ich noch nicht so genau. Ich will auf jeden Fall weiter Improtheater spielen, vielleicht auch im Ausland. Und mir ist sehr wichtig, dass das Würzburger Impro-Festival weiter besteht. Dass es das Festival einmal nicht mehr geben könnte, ist ein ganz furchtbarer Gedanke für mich, den ich nicht akzeptieren will.

Interview und Protokoll: Johanna Popp

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